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In Memoriam

Karin Saalmann

1938 Neidenburg in Ostpreußen – 2005 Valley

Tiefer Ausdruck und gute Form ist mein Grundanliegen.“ Dieses Zitat findet sich immer wieder, wenn über die Künstlerin Karin Saalmann geschrieben wird. Wie kann man das Kunstwollen eines Künstlers besser erfassen, als durch solch eine prägnante Kernaussage.

Text: Dr. Helga Wäß

Bereits in jungen Jahren muss Karin Saalmann durch ein wechselvolles Dasein. Ihre Freunde aus der Gemeinde Valley haben den Nachlass der Künstlerin sorgfältig gesichtet und ihr ein Werkverzeichnis gewidmet, das die an Umwegen reiche Geschichte ihres Lebens erzählt.

Karin Saalmann, Akademische Künstlerin

Karin Saalmann im Atelier, Foto: Nachlass

Studium der Malerei in München

Es ist ein mühevoller Weg mit Höhen und Tiefen, bis sie endlich im Jahr 1956 das Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München beginnt. Zunächst arbeitet Karin Saalmann mit beachtlichem Erfolg an der Staffelei. Ankäufe durch die Ostdeutsche Galerie in Regensburg oder das Lenbachhaus in München unterstreichen ihr Können.

Plastik als Vorstoß in die dritte Dimension

Dann entdeckt sie für sich die Skulptur und damit die Freiheit des Kunstwerks im Raum. Von gegenständlichen Werken findet sie über die Reduktion den Weg in die Abstraktion. Sie zeichnet und entwirft Plastiken aus Stein und Bronze. Der Großteil ihres plastischen Werkes sind Gipse, modelliert, akribisch gefeilt und mit sehr überlegter Oberflächengestaltung (glänzend oder matt, patiniert oder strahlend weiß). Gipsplastiken, die für sich stehen.

Weiche, stille, sanfte Formen, die sich in Licht und Schatten bedächtig schwingen. Unspezifische Gebilde liegen in überdimensionierten runden, ovalen und teils organischen Formen auf dem Boden. Schmiegen sich an und biegen sich fort. Hier und da entwächst dem Stein eine menschliche Gestalt, jedoch ohne sich von seinem Umriss zu lösen. Eine Welle schwappt auf und bleibt doch ganz Form. Ein Gesicht scheint sich von innen durch die Oberfläche des Steines drücken zu wollen und bleibt doch mit der Rundung der großen Form verwachsen.

Karin Saalmann, Plastik im öffentlichen Raum, Univeristät München

Karin Saalmann, Plastik im öffentlichen Raum, Univeristät München, Archivfoto: Nachlass

Bei ihr verliert der Stein sein Gewicht

Karin Saalmann schafft es mit und in ihren Arbeiten, der Schwere des Materials zu entfliehen. Sie verleiht sogar einem harten Granit fedrige Leichtigkeit in Entwurf und Ausführung.

Für ihre Großplastiken brachte die Künstlerin maßstäbliche Gipse zu Steinbildhauern und Bronzegießern, die dann 1 zu 1 übertragen werden. Im Valleyer Nachlass finden sich noch solche Gipse mit den Messpunkten, die die Steinmetze mit Bleistift darauf eingetragen haben. Sie war stets vor Ort und fühlte Material und Form, bis das Kunstwerk ihre Handschrift und Aussage trug. Skulpturale Werke der Künstlerin finden sich zum Beispiel in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München und ebenda im Öffentlichen Raum, wie die

  • „ruhende Form“ in Granit aus dem Jahr 1986 (295 x 266 x 72 cm), welche vor der Cafeteria des Polizeipräsidiums München aufgestellt wurde
  • und die „liegende Form“ aus Bronze aus dem Jahr 1978 (370 x 240 x 80 cm), welche auf Terrasse des geisteswissenschaftlichen Seminargebäudes der Ludwig-Maximilians-Universität München liegt.

Die Zeichnung war für Karin nicht nur Studie oder Entwurf. Sie stellte ein autonomes Werk dar. Papier und Format wurden auf die Zeichenmittel abgestimmt. So entstanden ganze Serien, die sie teilweise mit Karton-Passepartouts rahmen ließ.

Karin Saalmanns Sprache war die Kunst

Karin Saalmann Skulptur im öffentlichen Raum

Karin Saalmann „liegende Form“, an der LMU, Foto: Nachlass

Die Künstlerin Karin Saalmann lebte zurückgezogen im Pfarrhaus von Valley und sprach bis zu ihrem Tod im 67. Lebensjahr sehr wenig. Betrachten wir heute ihre Werke, ohne ihr je persönlich begegnet zu sein, so fühlen wir jene Sprache, die Karin Saalmann in ihre Skulpturen legte. Ihre Gedanken, ihre Worte und ihr tiefes Gefühl finden sich hier in einer guten Form wieder.

Ihre Arbeiten wenden sich bis heute an den Betrachter. Sie halten seine Welt für einen Augenblick an. Innehalten im Moment der Wahrnehmung, zum schweigen, fühlen und begreifen.

In Valley entwarf sie Steinskulpturen, die allesamt eines gemeinsam haben: eine weiche, gute Form und einen in sich ruhenden tiefen Ausdruck. „Aber es geht in ihrem Werk auch um Gegensätze. Die weichen, schwingenden Ebenen enden oft an scharfen, sehr spitzen Kanten. „Gerade diese sind sehr gefährdet und weisen an vielen Stellen leider schon Beschädigungen auf“, betont der Freund und Mitherausgeber des Nachlass-Kataloges Herbert Schmid. „Karin Saalmann geht es um ‚Harmonie‘, um das Auswiegen von Kante und Ebene! ‚Harmonie‘ und ‚harmonisch‘ waren Vokabeln, die die Künstlerin oft im Gespräch verwendete.“

Karin Saalmann lebte von 1983 bis 2005 im Pfarrhaus von Valley.

Publikation: Herbert Schmid/ Nikolai Lochner/ Peter Loew, Karin Saalmann. Mit einem Vorwort von Maja Eilhammer, Aurolzmünster (Österreich) 2008, ISBN 978-3-00-024767-5.

Werke im öffentlichen Raum: „ruhende Form“, Granit, 1986, 295 x 266 x 72 cm, vor der Cafeteria des Polizeipräsidiums München, Knorrstraße

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