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Wiederentdeckt

Valley vor 100 Jahren: Die Kriegschronik von Bürgermeister Kaspar Schuster

Schwer vorzustellen, aber es gab Zeiten, als in der Ortschaft Valley gerade mal ein einziger Kunstmaler ansässig war. Der hieß Jakob Hurgyler – ein Name, den heute niemand mehr kennt. Er findet Erwähnung in einem alten Valleyer Buch. Kaspar Schuster, Landwirt zum Zacherl in Mitterdarching und von 1906 bis 1933 Bürgermeister von Valley, hat es verfasst. Seine 1929 erschienene „Kriegs-Chronik der Gemeinde Valley“ enthält viel mehr als der Titel vermuten lässt. Es ist eine wahre Fundgrube für Geschichtsinteressierte.

Von Heike Mayer

„Die Ortschaft Valley mit dem Weiler Aumühle zählt insgesamt 33 Hausnummern, welche ziemlich zerstreut auseinanderliegen“, schreibt Schuster: „Zu ihr gehören außer dem Schloßgut die Schloßbrauerei (zurzeit an die Hackerbrauerei München verpachtet, eine Gastwirtschaft (Schnitzenbaumer), eine Krämerei (Greithanner Sebastian), eine Mahlmühle und Schneidsäge in Aumühle (der Stadt München gehörig, Pächter Aicher Englbert), eine Sattlerei (Knott), ein Bauunternehmen (Bortenlänger Josef), ein Kunstmaler (Jakob Hurgyler), eine Schule mit zwei Lehrkräften(zurzeit Herr Oberlehrer Max Schnitzler und Herr Lehrer Johann Dotzer).“

Kriegschronik der Gemeinde Valley

Kriegschronik der Gemeinde Valley

Dies und vieles andere mehr kann man Schuster lesen, und dabei wird schnell klar: Das Buch ist viel mehr als eine reine Kriegschronik. Man erfährt darin so „Einiges über die Gemeinde Valley“, wie das einführende Kapitel überschrieben ist. Zum Beispiel dies: Das Gemeindegebiet Valley von damals stimmt nicht mit dem von heute überein. Es gab lediglich zwölf und zum Teil andere Gemeindeteile als heute: Valley, Mitterdarching, Oberdarching, Schmidham, Marschall, Oberlaindern, Unterlaindern, Unterdarching, die Weiler Aumühle, Mühltal und Fentberg sowie die Einöden Neustadl und Wildschwaig. Gut 8000 Tagwerk umfasst das damalige Gemeindegebiet. Und es hatte immerhin bereits über 1200 Einwohner.

Mehr als eine Kriegschronik

Von allen damaligen Ortsteilen nennt Schuster die Hausnummern und zählt auf, welche besonderen Höfe, Anwesen und Geschäfte sich dort befanden. Das wirtschaftliche und das geistige Leben während des ersten Weltkriegs lässt Schuster vor den Augen des Lesers mit einer unglaublichen Detailfülle Revue passieren.

Kriegschronik Valley 1914

Wirkung des Krieges auf das wirtschaftliche und geistige Leben

Verbot des Pferdehandels, der Zwang für die Müller, Einheitsmehl („Kriegsmehl“) zu produzieren, die Rationierung von Lebensmitteln, das an landwirtschaftliche Dienstboten gerichtete Verbot, den Dienst zu quittieren, die Regulierung des Kraftfahrzeugverkehrs, in allen Bereichen immer wieder die Festsetzung von (Höchst-)Preisen, Kriegsjahr für Kriegsjahr. Bis hin zur Regulierung der Stammwürze des Bieres: „Laut Verordnung der kommandierenden Generäle der drei bayerischen Armeekorps vom 15. März 1917 war angeordnet worden, daß Bier nur mehr einen Stammwürzegehalt von 6 %, ferner sogen. Dünnbier3 ½ bis 4 % haben durfte. Zuwiderhandlungen wurden mit Gefängnis bis zu 1 Jahr oder Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft.“

Kriegschronik Valley Nahrungsmittelpreise

Nahrungsmittelpreise im Vergleich

Erwähnt wird nicht zuletzt auch die Einführung der Sommerzeit, die damals mit subtilem Doppelsinn „die verrückte Zeit“ genannt wurde. Interessant ist auch ein tabellarischer Vergleich bei den Preisen der wichtigsten Nahrungsmittel von 1914, Ende 1921, Anfang 1922 und 1923 (Abbildung).

Gedenken an die Soldaten, die in den Krieg zogen

Soldaten aus Valley im Ersten Weltkrieg

Soldaten aus Valley im Ersten Weltkrieg. Foto: Sammlung Lorenz Hilgenrainer

Im Mittelpunkt des Buches aber stehen die Soldaten aus Valley, die 1914 für Valley in den Krieg zogen.

Kriegsteilnehmer Valley 1914

Namen der Kriegsteilnehmer (Auszug) 1914-1918

Sie werden namentlich genannt und bei jedem Einzelnen wird aufgeführt, welchem Regiment er angehörte, wo sein Einsatzgebiet war, an welchen Schlachten er teilnahm, welche Auszeichnungen er erhielt, ob er heimgekehrt oder gefallen ist. Allgemeine kriegerische und militärische Begebenheiten in der Gemeinde, Fliegerangriffe, aber auch Wohlfahrtstätigkeit sind ebenfalls Thema des Buches. Auch die Frage, was die Revolution gebracht hat, wird aufgeworfen, und Berichte von der Miesbacher Räteregierung hält Schuster fest.

Kaspar Schuster Bürgermeister von Valley

Kaspar Schuster Bürgermeister von Valley 1906-1933

Vier Jahre nach Erscheinen des Buches, 1933, endete Schusters Amtszeit. Den Nationalsozialisten war der altgediente Bürgermeister offenbar unliebsam und er wurde abgesetzt. Drei Jahre später, am 16. Dezember 1936 starb Kaspar Schuster im Alter von 74 Jahren. Mit seiner Kriegschronik hat er für die Gemeinde Hervorragendes und Bleibendes geleistet. Höchste Zeit, dass man hier in Valley seinen Namen wieder nennt.

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