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Der Maler und Theologe Herbert Schmid

Tief schürfen

In der Kunst wie in der Theologie geht er den Dingen auf den Grund. Als Maler, Dozent für Kirchengeschichte, Kunsterzieher, Bühnenbildner und Schauspieler in der Theatergruppe Valley hat Herbert Schmid gleich mehrere Eisen im Feuer. Die Zeit fürs Eigentliche schaufelt er sich frei.

Von Claudia Angelika Leistritz

Mit seiner unverstellten Art wirkt er eher wie ein sympathischer Schauspieler oder Kabarettist. Und das stimmt eigentlich auch, wenn auch nur „nebenberuflich“. Den Drang zur Selbstdarstellung lebt er heute in der Theatergruppe Valley, als Theologiedozent an der LMU und Kunsterzieher am Gymnasium Schäftlarn aus. Aber bis dahin war es ein langer Weg. Als Kind und Jugendlicher ist er viel zu schüchtern. Da verwendet er seine Zeit lieber fürs Zeichnen, Gestalten: hier bewegt er sich in seinem Element. Und seine Begabung wird geschätzt, in der Schule und auch im Gymnasium in Schäftlarn ist es sein Markenzeichen. Beruflich etwas anderes zu machen, kann er sich gar nicht vorstellen.

Herbert Schmid Valley Acrylbild Bühne 2009

Bühne, 2009. Acryl, Pigmente. Foto: Herbert Schmid.

Auf Umwegen zur Kunst

Trotzdem wird dem 1964 in Tegernsee geborenen Schmid später die Theologie zur Hauptsache. Auch kein Wunder. Von Anfang an begleiten ihn entsprechende Wegmarken: ein ernsthafte Neigung zum Fach; ein inspirierender Pfarrer in Valley, auch Künstler, der die katholische Landjugend betreut; ein gleichermaßen charismatischer Religionslehrer am Gymnasium in Schäftlarn, ein Benediktiner, der für das Fach begeistern kann. Die Einflüsse haben sich eingeprägt und vieles gesteuert.

Aber nach dem Abitur hat er zunächst nur die Kunst im Kopf, und um sicher zu gehen meldet er sich an der weniger überlaufenen Kunstakademie in Nürnberg zur Aufnahmeprüfung. Als er wider Erwarten durchfällt, ist er am Boden zerstört. Ratlos, schreibt er sich an der LMU für Katholische Theologie ein, „einfach so, ohne Ziel“. Auch da kann er nicht Fuß fassen, die Veranstaltungen bleiben ihm fremd. „Ich hab‘ gar nicht gewusst, was die von mir wollen“. Kreuzunglücklich, geht er zufällig einmal mit einer Freundin zum Zeichenkurs bei einem Kunstprofessor. Der rät ihm zur Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie in München. Das klappt. Er macht das Diplom in Freier Malerei und legt später noch das Staatsexamen fürs Gymnasiallehramt nach – um „irgendwas gscheid‘s“ auch zu haben.

„Künstler werd´ ich nicht, die ticken alle ganz anders“

Nichts liegt ihm jedoch ferner als Künstler-Allüren: sich zeigen, überzeugen, darstellen: bloß nicht. Die Kunst selbst soll im Vordergrund stehen, er selbst hält sich lieber zurück, schon im Studium ist das so. Als Meisterschüler bei Prof. Weißhaar gestaltet er als Assistent Wandbilder in Freising mit und ist angetan von der Arbeit mit klassischen Bindemitteln, vom handwerklichen Malen. Bis heute mag er vor allem das Haptische, das Arbeiten mit körnigen Farben, groben Farbmischungen, mit Pigmenten und Kaseintempera. Das Ungekünstelte, Direkte bestimmt auch seine Motive, die ohne bewussten Plan entstehen, da wirkt eher etwas Hintergründiges: „ich glaube, es ist immer etwas anderes dahinter, ein anderes Interesse, aber wenn ich das sagen könnte, dann wäre mein Medium wahrscheinlich nicht die Malerei.“

Herbert Schmid Valley Acrylbild Haus 2011

Haus, 2011. Acryl, Pigmente. Ausschnitt. Foto: Herbert Schmid.

Die Bilder entstehen aus einer Faszination am Gegeneinandersetzen von Flächen, von hell-dunkel-Kontrasten, am Erzeugen von Raum, am Arbeiten mit einfachen, klaren Formen. Wie ein Herantasten an den Kern von Grundelementen. So wirken seine Bilder auf den ersten Blick sperrig, unfertig, werfen Fragen auf. In reduzierter Formensprache, gebrochenen Farben, angedeuteter Räumlichkeit. Starke Kontraste prägen die wenigen Elemente. Ein stilles Da-Sein.

Zur Beteiligung an Ausstellungen, sagt er, muss man ihn eher drängen. „Eigentlich ist es Unsinn, aber ich mag‘s einfach nicht so gern.“ Er stellt sich nicht gerne heraus, jedenfalls nicht in der Kunst. In Anbetracht der Zeit, die er dafür erübrigen kann, sei er – im Vergleich zu denen, die ihre Zeit ausschließlich der künstlerischen Tätigkeit widmen und sich auch entsprechend präsentieren – ja auch „eigentlich gar kein echter Künstler, eher ein akademischer Sonntagsmaler“. Dennoch will er sich auch nicht als Einsiedler sehen, der nur zum eigenen Vergnügen vor sich hin pinselt: „im Grund ist es Blödsinn, nur für sich Kunst zu machen“. Kunst ist kein Selbstzweck, sie muss mitgeteilt werden. Aber ganz egal was dann daraus wird, er muss sich einfach malerisch ausdrücken, es ist der rote Faden in seinem Leben, auch wenn er sich die Zeit dafür erkämpfen muss. Und wenn es dann – selten genug – doch einmal zu einer Ausstellung kommt und er die aufreibenden Vorbereitungen dazu durchgestanden hat, macht es ihm Spaß. Die Leute gehen hin. Die Leute kaufen seine Bilder.

Zwei rote Fäden

Herbert Schmid Dom zu Freising Kreuzmalerei zur Ausstellung Kreuz-Kruzifix 2005

Kreuz im Dom von Freising, vor dem verhüllten Rubens-Hochaltarbild, anlässlich der feierlichen Vesper zur Eröffnung der Ausstellung „Kreuz-Kruzifix“ im Diözesanmuseum Freising, ca. 6 x 11 m, 2005, Ausschnitt. Foto: Herbert Schmid.

Nach dem Studium aber nimmt er die zunächst nicht weiter verfolgte Spur doch wieder auf. Zufall? An der Kunstakademie trifft er unter den Studenten einen Theologen. Er wird Meisterschüler bei einem Benediktiner. Sein Interesse ist wieder erwacht, und so zieht es ihn nach dem Diplom weder auf den Kunstmarkt noch ins Klassenzimmer. Stattdessen meldet sich stärker zu Wort, was ihn ohnehin schon die ganze Zeit beschäftigt. Hat er nicht schon ein paar Seminarscheine und Sprachenkenntnisse erworben bei seinem ersten Versuch mit der Theologie? So meldet er sich, praktisch ohne Vorbereitung, einfach zur Prüfung fürs Vordiplom. Wenn er sie schafft, denkt er sich, macht er weiter. Und diesmal platzt der Knoten. In Kirchengeschichte hat er eine Eins, der Professor wird auf ihn aufmerksam – so beginnt seine Laufbahn an der Universität.

Trotzdem fühlt er sich auch hier nicht so richtig sattelfest. Warum? Dazu, meint er, beschäftige er sich mit einem „viel zu kleinen Teil der Kirchengeschichte“. Seine Dissertation handelt vom koptischen Philippus-Evangelium. Ein Thema, das unter anderem eine gründliche Kenntnis orientalischer Sprachen und der vertrackten Gedankenführungen gnostischer Sekten und Philosophien der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung erfordert. Obwohl Experte auf seinem Gebiet, identifiziert er sich nicht mit einem Theologen im klassischen Sinn. Wohl wahr: Die Lehrveranstaltungen gestaltet er formal ziemlich unorthodox, und wenn man ihn sieht würde man ihn zuallerletzt für einen „Doktor der Theologie“ halten. Eher für einen an die Universität verirrten Künstler, der mit einem Professor verwechselt und zum dozieren genötigt wird. Der das Spiel mitmacht, daran Gefallen findet und die Rolle fachlich so überzeugend spielt, dass ihm nie einer draufkommt.

Was macht er also lieber, unterrichten oder malen? Keine Frage! „Ich will mal was mit Kunst machen“, das war ihm schon immer klar. Und die erste Liebe, sagt man, ist die Stärkste. Vielleicht ist er ja doch ein „echter“ Künstler, irgendwie.

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