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Die Malerin Susanne Lorenzer

Leben einfangen

Susanne Lorenzer lässt sich bei ihrer Arbeit von allem, was ihr begegnet, inspirieren. Konzentriert auf den kleinen Bereich ihres Ateliers hält sie ihre Eindrücke in ihren meist hochformatigen Bildern fest. Zur Inspiration braucht sie die Abgeschiedenheit im Mangfalltal am Fuß des Schlossbergs.

Von Claudia Angelika Leistritz

Hinter Büschen, blühenden Sträuchern, wuchernden Pflanzen ragt das Haus hervor, weiß getüncht mit roten Fensterrahmen. Fast zugewachsen im Wald am Fluß wirkt es, als hätten die Bewohner das Haus, das da geschützt am Fuße des mächtigen Schlossberges im Talgrund liegt, den guten Geistern der Natur anvertraut. Dann tauchen im dicht bewachsenen Vorgarten geschichtete Steinhaufen auf, Skulpturen, Fahnen, Figuren.

Das Atelier von Susanne Lorenzer in Valley

Hochformatige Bilder, starke Kontraste, intensive Farben: Im Atelier von Susanne Lorenzer. Foto: Claudia Angelika Leistritz.

Neben dem Gebäude ein kleiner Anbau, geduckt im Schatten des Hauses, dessen historischer Kern um ein höheres Dachgeschoss erweitert wurde. Es ist das Atelier der Künstlerin Susanne Lorenzer. Im Wohnhaus ein Sammelsurium an Grafiken, Masken, Skulpturen, Reiseerinnerungen und Mobiliar: Stühle jeden Alters, jeder Form, aus verschiedensten Kulturen. Bilder von Freunden und von Fremden schmücken die Wände zwischen den aus aller Welt gesammelten Fundstücken. Ihre eigene Kunst entsteht nebenan aus den Impressionen, die sie auf Reisen gewonnen hat, aus Nachrichten, dem aktuellen Geschehen – allem, was an sie herankommt und sie beschäftigt.

Das „stille“ Tal – ein Ort der Ruhe und Phantasie

Neben den Reisen, die sie in alle Welt unternimmt, ist ihre stärkste Inspiration die besondere Atmosphäre in dem abgelegenen Tal, immer in Fühlung mit der Natur.

Susanne Lorenzer lässt sich von Eindrücken aus aller Welt inspirieren: Skulpturen mit freier Komposition in rot, blau, gelb. Foto: Claudia Angelika Leistritz.

Susanne Lorenzer lässt sich von Eindrücken aus aller Welt inspirieren: Skulpturen mit freier Komposition in rot, blau, gelb. Foto: Claudia Angelika Leistritz.

Die alten Valleyer nennen es auch „das stille Tal“. Nur in der absoluten Einsamkeit und Konzentration, alleine im Atelier, kann sie die Fülle an Eindrücken verarbeiten. Seit den 70er Jahren hat sie hier ihr Refugium. In die Münchner Gegend kam sie über Umwege. Geboren 1941 in Stuttgart, geprägt von der Waldorfschule, geht sie nach dem Abitur auf die Hochschule für Bildende Künste in Berlin, studiert Malerei und Grafik, besucht ein Seminar von Oskar Kokoschka. Lernt dort ihren ersten Mann kennen, der in der Werbebranche zu tun hat. Sie suchen in der Münchener Gegend ein Haus, landen nach einiger Suche in Valley – und sie weiß sofort, hier will sie bleiben: „Ich wollte gerne raus in die Natur und ich habe gesehen, wie dieses Haus da am Fluss liegt und war sofort überzeugt, dass ich hier leben möchte“.

Skizzen im Atelier von Susanne Lorenzer

Eindrücke festhalten auf Reisen: Susanne Lorenzer hat immer ihren Skizzenblock dabei. Foto: Claudia Angelika Leistritz.

Seitdem arbeitet sie hier an ihren Bildern und Grafiken. Schon zuvor erschafft sie auch Kunstobjekte aus Keramik, formt und brennt die Gegenstände in einem eigenen Atelier. Aber ihr zentrales Anliegen bleibt stets die Malerei. „Das war schon immer mein Thema“, sagt sie, „schon in der Kindheit“.

Begegnungen mit Menschen als Impulsgeber für Inspiration

Neben der Offenheit für die Welt und die Natur schöpft sie ihre Inspiration für die Kunst auch aus der Psychologie, die sie schon immer fasziniert hat. Wie Menschen funktionieren, wie man ihr Innerstes erreichen, sie zum Selbstausdruck bringen kann, das interessiert sie. Bei einer Ausbildung zur Kunsttherapeutin bei Prof. Heinz Deuser lernt sie die „Arbeit am Tonfeld“ kennen. Es ist eine Möglichkeit, durch plastisches Gestalten seelische Selbstheilungskräfte anzuregen. Zwölf Jahre lang hilft sie mit dieser Methode traumatisierten Jugendlichen am Hasenbergl, dem sozialen Brennpunkt im Münchener Norden, ihre schwierigen Familienverhältnisse zu verarbeiten. „Die Arbeit mit Ton, mit den Händen, führt am direktesten zum innersten Kern, zu den wesentlichen Gefühlen im Menschen.“ So lassen sich Konflikte besser ausdrücken und bewältigen.

Ausdruck finden, ob in therapeutischer oder künstlerischer Hinsicht, das ist das Anliegen ihrer Kunst. Was sie damit erreichen will? Um ein Erreichen geht es nicht, das steht nicht im Vordergrund. „Es ist einfach die Möglichkeit, mich selbst auszudrücken“. Aus der seelischen Tiefe heraus gestaltet Susanne Lorenzer ihre Bilder, sammelt Fundstücke wie Treibgut und gestaltet daraus Schaukästen. Malt aus den Eindrücken, die sie auf Reisen, durch Begegnungen und durch die Medien erhält, starkfarbige, in Primärfarben gehaltene Kompositionen mit freien, auch fließenden, bewegten Formen, die das Auge des Betrachters gefangen nehmen.

Das Atelier von Susanne Lorenzer im Mangfalltal

Arbeitsatmosphäre: Im Atelier von Susanne Lorenzer. Foto: Claudia Angelika Leistritz.

Seit 2010 widmet sie sich wieder ausschließlich der Malerei. Die Bilder entstehen ohne Plan, ohne Vorskizzen. Sie schöpft aus Ihrem reichen Fundus an Eindrücken, bringt diese direkt auf die Leinwand: Im Tun entsteht das Werk, ohne bewusste Vorstellung. Die Fülle der Erlebnisse wird auf das Wesentliche konzentriert und materialisiert sich im Bild. Grundlage sind die im Inneren angesammelten Bilder. Im starken Gegensatz zwischen dem tobenden Leben und der einsamen Arbeit im Atelier kann sie die vielfältigen Erinnerungen kanalisieren, das ausdrücken, was sie bewegt. Im unmittelbaren Kontakt mit sich und dem Erlebten wird auch das Wesen der menschlichen Existenz berührt: sein Hineingestellt-sein in eine oft grausame, kriegerische, unberechenbare Welt, in der im Grunde jeder sein Leben alleine meistern muss.

Mit Malerei das schnelle Leben festhalten

Führt unsere medien- und bildgesättigte Welt nicht zum Überdruß an optischen Einflüssen, soll man überhaupt noch so etwas wie Malerei studieren, in mühsamer, zeitintensiver Arbeit eigene Bilder produzieren? „Unbedingt!“ Die Malerei hält sie für ein lebensnotwendiges Ausdrucksmittel. „Ich denke es ist ganz wichtig, dass wir uns einlassen auf unsere inneren Prozesse, dass wir Wege suchen, diese nach außen zu bringen und anschaulich werden zu lassen, also zunächst für einen selbst und dann eventuell für andere, die sich dafür interessieren.

Im Atelier von Susanne Lorenzer

Freie Formen, starke Eindrücke: Susanne Lorenzer verwendet für ihre Kompositionen meistens das Hochformat. Foto: Claudia Angelika Leistritz.

Dieser kreative Prozess ist enorm wichtig – einfach zur Lebendigkeit der Seele, um die Fähigkeit der Selbstwahrnehmung auch nicht zu verlieren.“ Und als zentralen Aspekt betont sie die stoffliche, haptische Auseinandersetzung mit bildnerischen Mitteln, wie sie auch in der Keramik zur Anwendung kommt: ein für den Menschen wichtiges Tun, weil es erdet.

So verwendet Lorenzer auch in ihren Bildern, neben der Acryltechnik, teilweise Collagen oder arbeitet mit Sand oder anderen Naturmaterialien, die sie in ihre meist schlanken, hochformatigen Kompositionen einarbeitet. Was sie aus ihrer psychologischen Kenntnis, aus ihrer Arbeit als Kunsttherapeutin erfahren hat, kann sie nur bestätigen. „Wichtig ist, dass wir in dieser schnelllebigen Welt auch Zeit und Ruhe für uns entdecken, und Malerei kann etwas sehr ruhiges sein. Es ist ein wichtiger Teil unseres Wesens, dass wir uns ausdrücken – sei es malerisch oder musikalisch, wie auch immer, und zwar künstlerisch ausdrücken, das ist ein wichtiger Aspekt überhaupt des Menschseins.“ Diese wesentliche Komponente des Menschen zu erhalten und selbst intensiv zu leben, davon zeugt ihre künstlerische Arbeit.

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